Literatur

Lesung & Gespräch: Uigurische Literatur mit Abduweli Ayup

Ayup liest aus „Gefangene Seelen“

Der uigurische Schriftsteller, Sprach- und Literaturwissenschafter und Aktivist Abduweli Ayup musste im Jahr 2015 endgültig aus seiner Heimat in der heutigen Volksrepublik China fliehen, nachdem er aufgrund seiner kulturellen und politischen Aktivitäten dort von den dortigen Behörden verfolgt und inhaftiert worden war. Mittlerweile hat Ayup in Norwegen Aufnahme gefunden und setzt aus dem Exil seine literarische Tätigkeit und sein Engagement für die Kultur und Rechte der Uiguren fort. Im Jahr 2023 wurde er mit dem Linguapax International-Preis ausgezeichnet.

Ayup hat seine Verfolgung durch volksrepublikanisch-chinesische Behörden in mehreren Werken literarisch aufgearbeitet. In den oft bedrückenden Texten geht es um Themen wie willkürliche Verhaftung, Erniedrigung, Folter und den Versuch der Kommunistischen Partei Chinas, die Kultur und Identität der Uiguren endgültig auszulöschen. Eines dieser Werke ist das 2021 in uigurischer Sprache erschienene Buch Mähbus rohlar („Gefangene Seelen“). Es wird demnächst als Teil einer Anthologie moderner uigurischer Literatur in deutscher Übersetzung erscheinen, die Michael Reinhard Heß vorbereite.

Kern der Veranstaltung ist die Vorstellung einer weiteren Passage aus Mähbus rohlar in deutscher Erstübersetzung. Zu Beginn wird der deutsche Turkologe Michael Reinhard Heß eine Statement zur modernen uigurischen Literatur allgemein und zum Autoren geben.

Abduweli Ayup, 1973, Pädagoge und Linguist mit Master auf der University of Kansas, USA. Er hatte in Kashgar einen Kindergarten gegründet, in dem ausschließlich Uigurisch gesprochen werden sollte. In 2013 wurden er und seine beiden Partner verhaftet. Da die Muttersprachen aller ethnischen Minderheiten in China jedoch den ausdrücklichen Schutz der Verfassung genießen und auch die Gründung eines privaten Kindergartens keinem Gesetz entgegensteht, lautete die Anklage „Widerrechtliches Sammeln von Spenden“. In 2014, drei Monate vor Ablauf seiner Haftstrafe, wurde Abduweli entlassen. Seine beiden Partner hatten das Urteil angefochten, da die Spenden ausschließlich von Privatpersonen kamen, denen ebenfalls der Schutz ihrer Muttersprache am Herzen lag,  und keine öffentlichen Gelder missbraucht worden waren. Auch mehrere internationale Gruppen hatten sich weltweit für ihre Freilassung eingesetzt hatten. Später konnte er mit seiner Familie aus China ausreisen. Sein Bruder Erkin Ayup wurde seit 2017 nicht mehr gesehen.  In 2019 erhielt er einen Preis von ICORN und PEN International. https://en.wikipedia.org/wiki/Abduweli_Ayup

Michael Reinhard Hess, 1967, Offenbach, Magistertitels in Turkologie, Islamkunde und Griechischer Philologiean der Universität Frankfurt am Main, Promotion in Turkologie an der Universität Mainz, Habilitation und Privatdozent in Turkologie an der Freien Universität Berlin, Vertretung des Lehrstuhls für Turkologie an der Georg-August-Universität Göttingen, Wissenschaftlicher Mitarbeiter mit Lehrverphlichtung. Manche seiner Bücher: In schweren Tagen: Texte und Quellen zu den Uiguren Kasachstans, Uiguren in Kasachstan: Untersuchungen zu Demographie, Geschichte und Sprache, Mir Cәlal: Füzulis Künstlertum, Schuschas Vermächtnis: Geschichte und Werdegang der Kulturhauptstadt Aserbaidschans, Hinter dem Kafberg: Die etwas andere Kaukasusreise.

Die Kommunikationssprache der Veranstaltung ist Deutsch und Englisch. Teilnahme ist kostenfrei!

Die Veranstaltung findet mit der freundlichen Unterstützung vom Volkskundemuseum Wien statt.

Datum: 28. 02. 2024, 19:30 Uhr

Ort: Volkskundemuseum Wien, Laudongasse 15-19, 1080 Wien

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